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Holocaust-Gedenken
"Die deutsche Berichterstattung über Israel ist ein Skandal" - U. Avnery
Israels Präsident Peres nutzt Holocaust-Gedenken für Anti -Iran-Propaganda und für die Verdrehung der Tatsachen in den besetzten Gebieten. Er erntet viel Applaus im Bundestag. Während dessen geht die barbarische Blockade gegen der zivilen Bevölkerung in Gaza weiter. Davon nimmt die Öffentlichkeit und die Medien in Deutschland kein Notiz.
"Die deutsche Berichterstattung über Israel ist ein Skandal. Es ist eine fälschliche Auslegung von der Pflicht, die Deutsche nach dem Holocaust haben. Diese vulgäre Ansicht, daß Deutsche nach dem Holocaust Israel nicht kritisieren dürfen ist für mich ein verdrehter Antisemitismus. Ich habe immer den Eindruck, daß Philosemiten mit Antisemiten sehr viel gemeinsam haben. Ich finde die Sonderbehandlung Israels in den deutschen Medien absolut falsch, unmoralisch." (Uri Avnery in einem Interview mit der Jüdischen Zeitung, Februar 2009).
»Der Zionismus war eine koloniale Bewegung«
"... Wir müssen sehen, daß der Zionismus eine koloniale Bewegung war. Das allein ist ja nicht allzu schlimm, sehr viele Menschen in Europa gehörten zu kolonialen Bewegungen. Der Unterschied ist: Der Kolonialismus dauert auch im 21. Jahrhundert noch an. Es ist kein nationaler Konflikt, es ist ein Konflikt zwischen einer kolonialistischen Siedlergesellschaft und der einheimischen Bevölkerung. Wenn man diese Analyse nicht annimmt, werden Friedensbemühungen nicht in die richtige Richtung gehen. Wenn man in eine koloniale Situation Frieden bringen will, braucht man Versöhnungsprozesse, Wahrheitsprozesse, nicht diplomatische Friedensbemühungen. Gebraucht wird ein Prozeß, bei dem die einheimische Bevölkerung zu den israelischen Siedlern, besonders zu denen der dritten Generation, sagt: Wir sind bereit, mit euch zu leben, trotz allem, wir sind bereit zu teilen. Wir können von Glück sagen, daß die Palästinenser das sagen. Es bedeutet, die Siedler als Teil der neuen Realität anzuerkennen, so daß die einen aufhören, Siedler zu sein und die anderen Kolonisierte." (Interview mit Professor Ilan Pappe bei Tlaxcala)
Die Rede von Peres im Bundestag
Eingebettet in die Debatte über die Fortführung des Afghanistan-Krieges erinnerte der Bundestag in einer Holocaust-Gedenkstunde an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 65 Jahren. Gastredner im Berliner Reichstag war der israelische Präsident Schimon Peres.
Die wichtigste Lehre aus dem Völkermord an sechs Millionen Juden sei das »Nie wieder«, sagte dieser vor dem vollbesetzten Bundestag. Und weiter: »Nie wieder eine Rassenlehre. Nie wieder ein Gefühl von Überlegenheit. Nie wieder eine scheinbar gottgegebene Berechtigung zur Hetze, zum Totschlag, zur Erhebung über das Recht.
Nie wieder zur Verleugnung Gottes und der Shoa.« Dann fügte Peres hinzu: »Nie wieder dürfen blutrünstige Diktatoren ignoriert werden, die sich hinter demagogischen Masken verbergen und mörderische Parolen von sich geben.« Konkret bezeichnete er das iranische Regime als »Gefahr für die ganze Welt«, als ein »Regime, das mit Zerstörung droht und Atomkraftwerke und Nuklearraketen besitzt, mit denen es sein eigenes Land wie auch andere Länder terrorisiert«. Das einzige Land im Nahen Osten, das Atomwaffen besitzt und mit deren Einsatz droht, ist Israel.
Auch sonst nahm es Peres mit der Wahrheit nicht so genau. Israel wolle mit seinen Nachbarn im Frieden leben und sei auch zur Aussöhnung mit den Palästinensern bereit: »Sie sollen einen eigenen Staat errichten, einen unabhängigen, gedeihenden und friedliebenden Staat«, sagte der Präsident der nahöstlichen Besatzungsmacht. »Es gelüstet uns nicht nach Gebieten, die uns nicht gehören.« Tatsächlich hält Israel das Westjordanland allen UN-Resolutionen zum Trotz weiter besetzt und weitet dort den illegalen Siedlungsbau aus; gegen die 1,5 Millionen Palästinenser im Gazastreifen ist eine Blockade verhängt.
Im Anschluß an die mit anhaltendem, parteiübergreifendem Applaus bedachte Peres-Rede stellte die Bundesregierung ihre Pläne für die Fortführung des Afghanistan-Kriegs vor.